Mehr ist Mehr: Warum Quantität wichtiger als Qualität sein kann

Das überraschende Experiment von Jerry Uelsmann

In unserer hochglanzpolierten Welt hören wir ständig: „Qualität über Quantität!“ „Nimm dir Zeit für Perfektion!“ Aber was, wenn dieser Rat eigentlich kontraproduktiv ist? Ein faszinierendes Experiment von Professor Jerry Uelsmann an der Universität von Florida zeigt, dass manchmal Quantität der wahre Schlüssel zur Meisterschaft ist.

 

Qualität vs. Quantität

Stellt euch vor, ihr seid in einem Fotokurs. Am ersten Tag teilt der Professor, Jerry Uelsmann, die Klasse in zwei Gruppen auf. Die „Quantitätsgruppe“ soll nach der Anzahl der Fotos bewertet werden, die sie im Semester machen. Die „Qualitätsgruppe“ hingegen soll nur ein einziges, perfektes Bild abliefern.

Am Ende des Semesters stellte sich heraus, dass die besten Fotos von der Quantitätsgruppe kamen. Was?! Ja, die Studenten, die viele Fotos gemacht hatten, wurden durch ständiges Üben und Experimentieren immer besser. Die Qualitätsgruppe, die sich auf das eine perfekte Bild konzentrierte, hatte weniger Fortschritte gemacht.

 

Die Lektion: Wiederholung führt zu Meisterschaft

Uelsmanns Experiment zeigt uns: Quantität kann zu Qualität führen. Wer immer wieder etwas tut, lernt aus seinen Fehlern, verfeinert seine Techniken und entwickelt ein tieferes Verständnis für sein Handwerk. Ständiges Üben und Verbessern führt letztlich zu einer höheren Qualität unserer Arbeit.

James Clear, Bestsellerautor und Experte für Gewohnheiten, unterstützt diese Ansicht. In seinem Artikel „Why Repetitions Are More Important Than Perfection“ betont er die Bedeutung der Wiederholung und Fehleranalyse. Clear argumentiert, dass wir durch häufiges Üben nicht nur besser werden, sondern auch entdecken, was nicht funktioniert, und dadurch unsere Fähigkeiten kontinuierlich verbessern können.

 

Der Mythos der Perfektion

Der Drang nach Perfektion kann uns oft lähmen. Wenn wir uns zu sehr auf ein perfektes Ergebnis konzentrieren, setzen wir uns selbst unter enormen Druck und schränken unsere Kreativität ein. Dieser Druck kann unsere Leistung beeinträchtigen und uns daran hindern, unser volles Potenzial auszuschöpfen.

Clear bringt es auf den Punkt: „Die Person, die einen Schuss auf das Tor abgibt, trifft vielleicht oder vielleicht auch nicht. Aber wenn du 1.000 Schüsse machst, wirst du irgendwann treffen.“ Diese Analogie zeigt, dass es wichtiger ist, viele Chancen zu ergreifen und dabei zu lernen, als sich auf eine einzige perfekte Gelegenheit zu verlassen.

 

Anwendung im Alltag

Es funktioniert auf die gleiche Weise mit fast jedem Ziel, das du haben könntest…

Kunst: Wenn du ein großartiger Fotograf sein möchtest, könntest du jeden Tag versuchen, ein perfektes Foto zu machen. Oder du könntest 100 Fotos pro Tag schießen, aus deinen Fehlern lernen und deine Fähigkeiten verbessern.

Krafttraining: Wenn du stärker werden möchtest, könntest du jede Bewegung und Phase deiner Technik bis ins kleinste Detail analysieren. Oder du könntest dich einfach unter die Hantelstange stellen, aus deinen Fehlern lernen und dich auf mehr Wiederholungen konzentrieren.

Schreiben: Wenn du einen Bestseller schreiben willst, könntest du zehn Jahre damit verbringen, ein perfektes Buch zu schreiben. Oder du könntest jedes Jahr ein Buch schreiben, aus deinen Fehlern lernen und darauf vertrauen, dass deine Bücher mit der Zeit besser werden.

Business: Wenn du ein erfolgreicher Unternehmer sein möchtest, könntest du tagelang überlegen und versuchen, die perfekte Geschäftsidee zu planen. Oder du könntest versuchen, einen Kunden zu gewinnen, aus deinen Fehlern lernen und mit neuen Ideen experimentieren, bis etwas funktioniert.

 

Fazit

Das Experiment von Jerry Uelsmann und die Einsichten von James Clear zeigen deutlich, dass Quantität oft der Schlüssel zur Qualität ist. Durch häufiges Üben und Experimentieren lernen wir schneller und werden besser. Es ist nicht die Suche nach einem perfekten Ziel, die uns besser macht, sondern die Fähigkeiten, die wir durch eine Menge Arbeit entwickeln.

Mit anderen Worten: Wenn du über deine Ziele nachdenkst, denke nicht nur an das Ergebnis, das du willst. Konzentriere dich auf die Wiederholungen, die dich dorthin bringen. Konzentriere dich auf die vielen Arbeitsschritte, die vor dem Erfolg kommen. Konzentriere dich auf die hunderten von Töpferwaren, die vor dem Meisterwerk kommen.

Und hey, wenn du dabei ein paar schiefe Fotos, klobige Töpfe oder absurde Geschäftsideen produzierst, dann hast du wenigstens was zu lachen!

 

Mehr dazu im Video (Englisch mit deutschem Untertitel):

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